Ein Leitfaden zum ServiceNow Low-Code Rahmenvertrag Los 6 für IT-Verantwortliche, Projektleiter und Entscheider in Bund, Ländern und Kommunen.
Auf einen Blick
ServiceNow im öffentlichen Sektor ist kein Nischenthema mehr. Die Low-Code-Plattform hat sich in den letzten Jahren als zentrales Werkzeug in zahlreichen Bundes- und Landesbehörden etabliert – vom IT-Service-Management über Workflow-Automatisierung bis hin zu spezialisierten Fachverfahren. Damit wächst allerdings auch die Komplexität: Unterschiedliche Dienstleister entwickeln parallel, Legacy-Anpassungen akkumulieren sich, und die Frage, ob eine Applikation tatsächlich den Standards der öffentlichen IT entspricht, lässt sich intern oft nicht mehr beantworten. Über die Trends und Ansätze bei der Digitalisierung im öffentlichen Bereich hatten wir schon berichtet.
Genau hier setzt der ServiceNow Low-Code Rahmenvertrag an. Mit der Vergabe-Nr. 2024-I-097 hat die PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH einen übergreifenden Rahmenvertrag für Low-Code-Umsetzungsressourcen ausgeschrieben, der die Spielregeln für die kommenden Jahre definiert.
Dieser Artikel erklärt, was hinter Los 6 steckt, wie es sich zu Los 1 verhält, welche konkreten Szenarien einen Abruf rechtfertigen und worauf Sie bei der Nutzung achten sollten.
Die Vergabe gliedert sich in neun Lose, die zwei grundlegend verschiedene Leistungskategorien abbilden.
Lose 1 bis 5 decken die operative Umsetzung ab: Scoping, Entwicklung, Rollout und Applikationsmanagement auf den jeweiligen Low-Code-Plattformen – ServiceNow (Los 1), OutSystems (Los 2), Appian (Los 3), Pega (Los 4) und alternative Plattformen (Los 5).
Lose 6 bis 9 bilden das Gegenstück: plattformspezifische Design- und Umsetzungsreviews, also unabhängige Qualitätssicherung durch Dritte. Los 6 adressiert dabei ServiceNow, Los 7 OutSystems, Los 8 Appian und Los 9 Pega.
Die strukturelle Trennung ist kein Zufall. Sie folgt dem Prinzip, dass derjenige, der eine Applikation entwickelt hat, nicht gleichzeitig deren Qualität bewerten sollte. Wer in den Losen 1 bis 4 eine Applikation umsetzt, darf am korrespondierenden Review desselben Einzelabrufs nicht teilnehmen. Diese garantierte Unabhängigkeit ist ein zentrales Qualitätsmerkmal des gesamten ServiceNow Low-Code Rahmenvertrags.
Los 6 umfasst das unabhängige Design- und Umsetzungsreview für Applikationen auf der ServiceNow-Plattform. Der Prüfgegenstand ist dabei immer eine konkrete Applikation, die durch einen Dritten – typischerweise einen Los-1-Partner – entwickelt wurde. Wichtig zu wissen: Low-Code-Applikationen auf ServiceNow enthalten häufig auch Full- bzw. Pro-Code-Anteile, die ebenfalls Gegenstand der Prüfung sind.
Das Review adressiert drei zentrale Prüfbereiche.
Hier geht es um die Bewertung der Gesamtarchitektur: Entspricht sie den gängigen Grundsätzen, dem allgemeinen Standard der öffentlichen IT auf Bundes- und Länderebene sowie den Empfehlungen von ServiceNow? Konkret werden unter anderem folgende Aspekte geprüft: die Einhaltung interner und externer Entwicklungsstandards, die Anwendung geeigneter Architekturprinzipien wie Modularität, Skalierbarkeit und lose Kopplung, die Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben, die Nutzung von Out-of-the-Box-Features, die Integrationsfähigkeit mit bestehenden Systemen, die Qualität der Datenmodellierung sowie die Einbindung umliegender Basiskomponenten der öffentlichen IT.
Der zweite Prüfbereich fokussiert auf die handwerkliche Qualität der Entwicklung. Werden die „good coding practices“ der ServiceNow-Plattform sowie allgemeine Best Practices eingehalten? Lässt sich aus der Anwendungsqualität ein hinreichendes Erfahrungsniveau der eingesetzten Entwickler ableiten? Wurden Maßnahmen zur Qualitätssicherung umgesetzt, und liegt ein ausreichend hoher Grad an Testautomatisierung und Testabdeckung vor?
Der dritte Bereich betrifft die Zukunftsfähigkeit der Lösung. Ist die Dokumentation so aufbereitet, dass Dritte die Applikation weiterentwickeln können? Lassen sich Plattform-Updates aufwandsarm einspielen, weil die Lösung im Plattformstandard bleibt? Ist die laufende Wartung mit vertretbarem Aufwand möglich?
Am Ende jedes Reviews steht ein detaillierter Prüfbericht. Er enthält eine Zusammenfassung der Ergebnisse, priorisiert festgestellte Mängel und Schwachstellen mit Risikobewertung und liefert konkrete Maßnahmenvorschläge zur Behebung und Optimierung. Dieser Bericht bildet die Grundlage für eventuelle Nachbesserungen durch den Entwicklungspartner aus Los 1.
Das Zusammenspiel von Los 1 (Umsetzung) und Los 6 (Review) bildet einen vollständigen Qualitätskreislauf für ServiceNow im öffentlichen Sektor.
Los 1 liefert die operative Kapazität für Scoping, Entwicklung, Rollout und Applikationsmanagement. Hier entstehen die Fachanwendungen, hier werden Workflows automatisiert, Portale gebaut und Integrationen umgesetzt.
Los 6 liefert die unabhängige Qualitätskontrolle. Es ist bewusst so konzipiert, dass es an jedem Punkt des Entwicklungszyklus eingesetzt werden kann – nicht nur am Ende, sondern idealerweise schon während der Designphase.
Aus Sicht des Auftraggebers ergeben sich daraus mehrere strategische Vorteile:
Besonders der dritte Punkt verdient Aufmerksamkeit: In der Praxis wechseln Dienstleister im Lebenszyklus einer Applikation häufiger als geplant. Ein unabhängiges Review zum Übergabezeitpunkt schützt sowohl den abgebenden als auch den übernehmenden Partner – und vor allem den Auftraggeber.
Die PD vertritt in diesem Vergabeverfahren 15 öffentliche Auftraggeber, darunter sowohl Bundeseinrichtungen als auch Landes- und kommunale Stellen:
Diese Bandbreite zeigt: Der ServiceNow Low-Code Rahmenvertrag ist föderaler Natur. Er adressiert sowohl große IT-Dienstleistungszentren des Bundes als auch spezialisierte Landesbehörden und kommunale Stellen. Jede dieser Organisationen kann eigenständig Einzelabrufe tätigen – mit eigener Bedarfsspezifikation, eigenem Zeitplan und eigenen Schwerpunkten.
Der Weg von der strategischen Entscheidung zum konkreten Review-Auftrag verläuft über ein klar definiertes Abrufverfahren.
Der Auftraggeber stellt fest, dass ein Review benötigt wird – etwa weil eine Applikation vor der Abnahme steht, ein Dienstleisterwechsel ansteht oder im laufenden Betrieb Qualitätsfragen aufgetreten sind.

Im Einzelabruf werden die konkreten Rahmenbedingungen definiert: Welche Applikation wird geprüft? Welche Schwerpunkte soll das Review setzen? Welche Rollen werden benötigt? Die technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen werden spezifisch für jeden Abruf festgelegt.
Die Rahmenvertragspartner – maximal fünf pro Los – geben innerhalb von zehn Arbeitstagen ein Angebot ab. Die Vergabe erfolgt nach einer Gewichtung von 60 Prozent Qualität und 40 Prozent Preis. Die Qualitätsbewertung berücksichtigt die Projektskizze (25 %), das Team-Set-Up (20 %) und die plattformspezifische Erfahrung der eingesetzten Mitarbeiter (15 %).
Innerhalb von zehn Arbeitstagen nach Beauftragung beginnt die Leistungserbringung. Der Vertrag wird als EVB-IT-Dienstvertrag geschlossen, ergänzt um eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung gemäß Art. 28 DSGVO.
Der Rahmenvertrag definiert ein differenziertes Rollenprofil, das je nach Einzelabruf zusammengestellt wird. Jede Rolle kann als Junior oder Senior abgerufen werden:
| Erfahrungsstufe | Berufserfahrung | davon ServiceNow | Projekterfahrung |
| Junior | ≥ 3 Jahre | ≥ 1 Jahr | ≥ 200 Personentage |
| Senior | ≥ 5 Jahre | ≥ 3 Jahre | ≥ 600 Personentage |
Die Kernrollen für ein Design- und Umsetzungsreview sind:
Je nach Einzelabruf können weitere Rollen hinzukommen: Business Analysten, Datenmodell-Designer, Barrierefreiheits-Engineers, Test-Ingenieure oder DevOps-Ingenieure.
Wichtig: Alle Mitarbeiter müssen Deutsch auf C2-Niveau oder Muttersprachniveau beherrschen. Der Projektleiter ist ausnahmslos deutschsprachig.
In der Praxis gibt es mehrere Szenarien, in denen ein Design- und Umsetzungsreview für ServiceNow im öffentlichen Sektor besonders wertvoll ist.
Vor der Abnahme einer Neuentwicklung. Wenn ein Los-1-Partner eine ServiceNow-Applikation fertiggestellt hat, bietet ein unabhängiges Review die Möglichkeit, die Qualität objektiv zu bewerten, bevor die formale Abnahme erfolgt. Schwachstellen werden sichtbar, bevor sie in den Produktivbetrieb gelangen.
Bei einem geplanten Dienstleisterwechsel. Wenn eine Applikation an einen anderen Partner übergeben wird – sei es für die Weiterentwicklung oder den Betrieb – sichert ein Review den Übergabestatus ab. Beide Seiten profitieren von einer transparenten Dokumentation des Ist-Zustands.
Zur Vorbereitung eines Plattform-Upgrades. ServiceNow-Upgrades können weitreichende Auswirkungen auf kundenindividuelle Anpassungen haben. Ein Review vor dem Upgrade identifiziert Risiken und zeigt auf, wo Custom Code mit OOTB-Features konfligiert.
Bei Verdacht auf technische Schulden. Wenn eine Applikation über Jahre gewachsen ist und zunehmend Wartungsprobleme bereitet, identifiziert ein unabhängiges Assessment die Ursachen und liefert einen strukturierten Verbesserungsplan.
Zur Absicherung bei Streitigkeiten. Wenn Auftraggeber und Entwicklungspartner unterschiedlicher Auffassung über Umsetzungsstand oder Qualität sind, bietet ein unabhängiges Review eine neutrale Bewertungsgrundlage.
Zur Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Gerade im öffentlichen Sektor gelten strenge Anforderungen an BSI-Grundschutz, Barrierefreiheit nach WCAG und BITV sowie Datenschutz. Ein Review prüft gezielt, ob diese eingehalten werden.
Wenn von „ServiceNow im öffentlichen Sektor“ die Rede ist, denken viele Entscheider zunächst an IT Service Management. Tatsächlich ist das Spektrum deutlich breiter. Die Plattform trägt zunehmend Fachverfahren, Bürgerservices und die Zusammenarbeit mit externen Partnern. Überall dort, wo eine Low-Code-Applikation entsteht oder weiterentwickelt wird, stellt sich die Frage nach Architekturqualität, Wartbarkeit und Standardkonformität.
Hier liegt nach wie vor der Schwerpunkt vieler ServiceNow-Implementierungen im öffentlichen Sektor. Typische Prüfgegenstände sind:
Mit der fortschreitenden OZG-Umsetzung rücken bürgernahe Applikationen stärker in den Fokus. Auch diese entstehen zunehmend auf ServiceNow – und unterliegen dabei besonders hohen Anforderungen an Barrierefreiheit, Datenschutz und Nutzererfahrung:
Behörden arbeiten nicht im Vakuum. Zahlreiche Prozesse erfordern die digitale Einbindung externer Partner – von Lieferanten über IT-Dienstleister bis hin zu anderen Verwaltungsebenen:
Mehr über die modernen Verwaltungsprozesse erfahrt ihr in unseren Blog.
Die Vielfalt zeigt: Ein Design- und Umsetzungsreview ist kein Nischenthema für IT-Abteilungen. Es ist ein Querschnittsinstrument, das überall dort Wert schafft, wo ServiceNow als Plattform für geschäftskritische Prozesse eingesetzt wird. Entscheidend ist nicht die Größe der Applikation, sondern ihr Stellenwert. Je stärker ein Fachverfahren in den Regelbetrieb eingebettet ist, desto höher ist das Risiko, wenn Qualitätsmängel erst spät erkannt werden – und desto größer der Nutzen eines frühzeitigen Reviews.
Alle Leistungen müssen dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen. Für ServiceNow im öffentlichen Sektor bedeutet das konkret:
Die gesamte Dokumentation erfolgt vollständig in deutscher Sprache. Alle vom Auftragnehmer erstellten Unterlagen werden Eigentum der abrufenden Stelle. Im Rahmen des EfA-Prinzips (Einer für Alle) müssen die Leistungen zudem zur Nachnutzung durch andere Behörden geeignet sein.
Die Rahmenvereinbarung läuft 36 Monate ab Zuschlag, mit der Option auf zweimalige Verlängerung um jeweils 12 Monate – also maximal 60 Monate. Die Bindefrist für die aktuelle Vergabe endet am 18. Juli 2025.
Die Gesamtobergrenze für alle neun Lose beträgt rund 455 Millionen Euro brutto. Davon entfallen geschätzt fünf Prozent – also knapp 23 Millionen Euro – auf die Lose 6 bis 9 (Design- und Umsetzungsreviews). Es gibt keine Mindestabnahmepflicht: Die Abrufmenge passt sich flexibel an den tatsächlichen Bedarf an.
Pro Los werden maximal fünf Rahmenvereinbarungspartner zugelassen. Die Vergabe auf Rahmenvertragsebene erfolgt zu gleichen Teilen nach Qualität und Preis (jeweils 50 %). Das Qualitätskriterium wird anhand eines Konzepts bewertet, das den systematischen Ansatz zur Durchführung von Design- und Umsetzungsreviews beschreibt.
Die Ausschreibung legt hohe formale Anforderungen an die Bieter:
Darüber hinaus kommt es in der Praxis auf Faktoren an, die über die formalen Anforderungen hinausgehen: tiefe Plattformkenntnis, die auch CMDB-Strukturen, Discovery, Service Mapping und CSDM umfasst; Erfahrung mit den spezifischen Anforderungen der öffentlichen Verwaltung; die Fähigkeit, nicht nur Mängel zu identifizieren, sondern praxistaugliche Verbesserungsvorschläge zu liefern; und ein Team, das sowohl technische Tiefe als auch verständliche Kommunikation mitbringt.
Wenn Sie zum ersten Mal einen Einzelabruf unter dem ServiceNow Low-Code Rahmenvertrag planen, helfen die folgenden Überlegungen.
Definieren Sie den Prüfgegenstand präzise. Je klarer Sie beschreiben, welche Applikation geprüft werden soll und welche Schwerpunkte Sie erwarten, desto zielgerichteter wird das Angebot und desto höher der Nutzen des Reviews.
Klären Sie den Zugang frühzeitig. Der Review-Partner benötigt Zugriff auf die ServiceNow-Instanz, die Entwicklungsdokumentation und relevante Ansprechpartner. Diese Mitwirkungsleistungen sollten bereits im Einzelabruf definiert werden.
Binden Sie die richtigen Stakeholder ein. Ein Review entfaltet seinen vollen Wert erst, wenn die Ergebnisse in die richtigen Entscheidungsprozesse einfließen. Product Owner, IT-Architektur, Datenschutz, IT-Sicherheit und Betriebsorganisation sollten von Anfang an beteiligt sein.
Planen Sie die Nachverfolgung mit. Der Prüfbericht ist der Anfang, nicht das Ende. Planen Sie bereits bei der Beauftragung, wie die identifizierten Maßnahmen umgesetzt werden sollen – etwa durch einen Folgeabruf unter Los 1.
Nutzen Sie Reviews iterativ. Design- und Umsetzungsreviews müssen nicht auf das Projektende beschränkt sein. Gerade in agilen Projekten schaffen begleitende Reviews nach jedem Sprint oder Release deutlich mehr Wert als eine einmalige Prüfung am Ende.
Der ServiceNow Low-Code Rahmenvertrag schafft eine klare Struktur für die Qualitätssicherung von Applikationen im öffentlichen Sektor. Los 6 ist dabei mehr als ein Prüfinstrument – es ist ein strategisches Werkzeug zur Steuerung komplexer Digitalisierungsvorhaben.
Für die 15 abrufberechtigten Auftraggeber bedeutet das: Sie haben erstmals einen verbindlichen, standardisierten Zugang zu unabhängiger ServiceNow-Expertise, die sie flexibel und bedarfsgerecht einsetzen können. Der Abrufprozess ist schlank, die Rollenprofile klar definiert, und die Unabhängigkeit vom Entwicklungsdienstleister ist strukturell sichergestellt.
In einer Zeit, in der die Anforderungen an digitale Verwaltungsleistungen steigen und die Komplexität der eingesetzten Plattformen wächst, ist ein systematischer Qualitätssicherungsansatz keine Option mehr – er ist Voraussetzung für nachhaltige Digitalisierung.
Teiva Systems ist zertifizierter ServiceNow-Partner und als Rahmenvertragspartner für Los 6 qualifiziert. Mit über 50 zertifizierten ServiceNow-Experten und nachweisbarer Erfahrung in Architektur-Assessments für Unternehmen wie Bayer AG und Uniper SE bringen wir die Plattformtiefe und methodische Kompetenz mit, die ein unabhängiges Design- und Umsetzungsreview erfordert.
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